2.06.10
Schröpfen im Schattendasein der Akupunktur

Akupunktur ist seit Jahren in aller Munde, doch auch die Schröpftherapie blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn nicht nur die Chinesen auch andere Naturvölker verwendeten das Schröpfen schon vor langer Zeit.
Bei der Schröpfbehandlung werden aus Glas gefertigte Kugeln, in denen man zuvor einen Unterdruck durch eine Flamme erzeugt hat, auf die Haut aufgebracht. Durch diesen Unterdruck wird die Haut, sowie das darunter liegende subkutane- und Muskelgewebe in die Schröpfkugel hineingezogen. Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist es, die Qi- und Blutzirkulation, die durch Stagnation des Blutes oder der Lebensenergie (Qi)gestört ist, wieder zu mobilisieren. Das Schröpfen kann dem Gewebe auch Kälte entziehen, die zu dieser Stagnation geführt haben kann und stimuliert oder erleichtert in den so genannten Leitbahnen das freie Fließen von Qi und Blut. Man behandelt Probleme im Bereich der Muskeln und des Skelettsystems, wie zum Beispiel Rückenschmerzen oder chronische Nackenverspannungen aber auch bei Problemen im Bereich der großen Gelenke kann eine Schröpftherapie sehr hilfreich sein, so Christian Kuhlmann Chefarzt der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin am Johanniter Krankenhaus Radevormwald.
Die Schröpftherapie kann auch mit einer Akupunkturbehandlung kombiniert werden. Man setzt dann die Schröpfkugel über die Akupunkturnadel, die man zuvor in die Haut eingebracht hat. Das Ganze kann aber auch getrennt voneinander stattfinden. Durch den starken Sog, der in der Kugel entsteht, wird insbesondere stagniertes Blut in die oberen Gewebsschichten gezogen, so dass sich dort ein rötlich-lila kreisförmiger Bluterguss bildet, der aber erwünscht ist und nach einigen Tagen wieder abklingt.
Insbesondere bei Hauterkrankungen oder bei so genannten Hitzesyndromen kann die Schröpftherapie auch mit einem Aderlass kombiniert werden. Dabei wird die Haut in dem Bereich wo später die Kugel aufgesetzt wird mit einer Dreiecknadel, einer Lanzette, oder mit einem so genannten Pflaumenblütennadelhammer, an dessen Kopf sich kleine Nadeln befinden, perforiert, so dass sich später Blut in der Kugel befindet. Hierdurch wird das Gewebe, da wo es zu einem Blutstau gekommen ist, entlastet. Auf diese Weise kann man zum Beispiel auch Sportverletzungen, insbesondere Prellungen und Verstauchungen, gut therapieren.
Eine sehr effektive Methode ist auch die Schröpfmassage, wobei insbesondere an den so genannten Zustimmungspunkten, die sich links und rechts der Wirbelsäule befinden, Blockaden der inneren Organe gelöst werden können. Hierbei wird Öl auf die Haut aufgetragen, durch eine Flamme erneut ein schwaches Vakuum erzeugt und anschließend die Kugel von oben nach unten und umgekehrt über die Haut bewegt. Hierdurch soll der Qi- und Blutfluss in den Meridianen (Leitbahnen) angeregt werden und die an der Wirbelsäule sich befindlichen Zustimmungspunkte zu den inneren Organen aktiviert werden.
Die Schröpfkugeln müssen mit oder ohne Aderlass nach der Behandlung selbstverständlich wieder desinfiziert und sterilisiert werden. Auf Schröpfköpfe aus Bambus sollte aus hygienischen Gründen, da diese nicht ausreichend zu reinigen sind, verzichtet werden. Bei Patienten mit einer Blutungsneigung sollte auf Schröpfen verzichtet werden. Auch im Bereich von eitrigen Wunden oder Hautverletzungen, bei Patienten mit Ödemen oder hohem Fieber, natürlich auch bei schwangeren Frauen im Bauchbereich sollte man auf das Schröpfen verzichten. Dies ist auch geboten bei deutlich geschwächten Patienten.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Schröpftherapie für sich und in Kombination mit Akupunktur ein sehr effektives Verfahren ist, um insbesondere Erkrankungen des Bewegungsapparates aber auch Hauterkrankungen zu behandeln.
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