14.07.09
Kinderwunsch und Traditionelle Chinesische Medizin

„Wie sieht's denn bei Euch mit Nachwuchs aus?" Diese oder ähnliche Fragen von Freunden oder Verwandten sind nett gemeint, treffen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch aber meist empfindlich. Viele wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Die Tatsache, dass es „noch nicht geklappt hat", löst oft - neben der eigenen Frustration - auch Versagensgefühle aus. Dabei ist Kinderlosigkeit keine Seltenheit. In Deutschland bleibt etwa jede 7. Partnerschaft ungewollt kinderlos. Die Ursachen liegen in ca. 30% der Fälle bei der Frau, in 30% beim Mann und in weiteren 30% sind beide Partner beteiligt. In den verbleibenden 10% ist die Ursache ungeklärt. Ursachen, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, sind z.B. Streß, Umweltbelastungen, starkes Über- oder Untergewicht, übermäßiger Kaffe- und Alkoholkonsum, Rauchen oder Stoffwechselerkrankungen. Meistens sind es die Frauen, die eine Abklärung der ungewollten Kinderlosigkeit wünschen. Bei der genaueren Diagnostik findet man am häufigsten Störungen im Bereich der Eierstöcke (Ovarien) und der Eileiter. Entzündungen können z.B. die Eileiter verkleben. Auch die Gebärmutter kann aufgrund ihrer Lage, Größe oder eines mangelnden Schleimhautaufbaus eine Schwangerschaft erschweren. Hormonelle Störungen spielen natürlich ebenfalls eine Rolle. Insgesamt muß für eine erfolgreiche Schwangerschaft eine Vielzahl an Voraussetzungen erfüllt sein. Die moderne Schulmedizin bietet Hilfe, wenn bestimmte Abläufe nicht mehr stattfinden können. Durch Hormonbehandlungen wird z.B. die Reifung der Eizellen angeregt und bei einem Verschluß der Eileiter kann meist nur durch die künstliche Befruchtung überhaupt ein Embryo entstehen. Es gibt aber auch Faktoren, auf die die Schulmedizin wenig Einfluß hat und die dennoch sehr wichtig sind, damit es zu einer Schwangerschaft kommen kann. Diese Faktoren kann die chinesische Medizin mit ihrem ganz anders aufgebauten Diagnosesystem erkennen und entsprechend behandeln. Damit der weibliche Zyklus harmonisch ablaufen kann, müssen vor allem genügend Qi (Lebensenergie) und Blut vorhanden sein. Auch sollten Qi und Blut frei fließen können, damit es nicht zu Blockaden kommt mit Schmerzen wie z.B. im Extremfall bei der Endometriose. Wichtig ist es auch, den Zyklus zu regulieren. Dabei wird in allen Phasen der jeweilige chinesisch medizinische Aspekt berücksichtigt. Während der Periode soll der Blutfluß harmonisch sein, danach wird das Yin unterstützt für die Eireifung, beim Eisprung kann etwas Qi bewegt werden und in der Gelbkörperphase ist oft eine Unterstützung des Yang notwendig. Akupunktur wird meist 1x/Woche eingesetzt. Die individuell verschriebenen Kräuter werden täglich eingenommen, meist in Form eines Granulates. Der Aufwand hält sich somit in Grenzen. Diese Behandlung kann auch begleitend zu einer reproduktionsmedizinischen Maßnahme wie ivF oder ICSI stattfinden. Diese Frauen stehen unter starkem Streß: einerseits haben die Hormonbehandlungen mehr oder weniger starke Nebenwirkungen, dazu kommen bis zu tägliche Arzttermine und natürlich der Druck, „es muß doch endlich mal klappen". Die Akupunktur, aber auch die Kräuter, können neben ihren regulierenden Wirkungen auf den Hormonhaushalt emotional ausgleichen und beruhigen. Das ist nicht nur wohltuend sondern kann „Streß-Blockaden" lösen. Durch zu große Anspannung gerät man in einen sog. „Sympathikotonus". Dabei ist das vegetative Nervensystem permanent auf Angriff oder Flucht geschaltet. Die Natur sieht es aber nicht vor, in einer solchen Situation für Nachwuchs zu sorgen. In schweren Fällen und wenn die Zeit und der hormonelle Befund es zulassen, kann es auch sinnvoll sein, zunächst ca. 3-6 Monate allein mit Akupunktur und Kräutern zu behandeln, um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche künstliche Befruchtung zu verbessern. Denn eine dünne Gebärmutterschleimhaut oder eine schlechte Qualität der Eizellen senkt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erheblich. Durch ein ausführliches Erstgespräch werden alle wichtigen Symptome und Befunde erkannt und zusammengestellt. Dazu gehören aus chinesisch medizinischer Sicht selbstverständlich die Puls- und Zungendiagnostik. Es werden aber auch die schulmedizinischen Befunde wie Hormonwerte und organische Befunde mitbewertet, da sie für die chinesische Diagnose eine wichtige Aussage haben. Auch die Basaltemperaturkurve - eine einfache selbst durchzuführende Maßnahme - gibt wichtige Hinweise auf Störungen im Zyklusablauf. Westliche und chinesische Medizin arbeiten hier also Hand in Hand. So kann die Aussicht auf eine gesunde Schwangerschaft optimiert werden.
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